16.04.2013: MAZ

Nachtruhe am alten Flughafen Schönefeld: Brandenburg scheitert am Widerstand Berlins und der Airlines

Schlechtes Omen für die Verhandlungen um mehr Nachtruhe am BER? Brandenburg ist mit seinem Vorstoß gescheitert, im Herbst ein Nachtflugverbot am alten Flughafen Schönefeld (Dahme-Spreewald) einzuführen. Der Plan scheiterte am Widerstand der Airlines und der Flughafengesellschaft, teilte Verkehrsstaatssekretärin Kathrin Schneider gestern dem Flughafenausschuss des Potsdamer Landtags mit.

Die bisherige Regelung, die einen Nonstop-Betrieb in Schönefeld erlaubt, wäre Ende Oktober ausgelaufen, weil da eigentlich der BER ans Netz gehen sollte. Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte deswegen vorgeschlagen, das BER-Nachtflugverbot vorzuziehen. Doch aus der Ruhe von 23.30 bis 5.30 Uhr wird nun nichts. Auch Berlin hatte gegen die Lärmpause votiert. Zwar wären nur wenige Flüge betroffen, weil sich der Hauptverkehr derzeit am Flughafen Tegel abspielt. Doch da Schönefeld im Zweifel als Ausweichflughafen für Tegel genutzt wird, hatte Berlin gegen Vogelsängers Plan interveniert.

Das zeigt, wie schwierig die Verhandlungen von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) über mehr Nachtruhe am BER sein dürften. Im Februar hatte der Landtag das Volksbegehren für ein Nachtflugverbot angenommen und die Landesregierung zu Verhandlungen mit Berlin aufgefordert. Die ersten Gespräche dazu seien bereits auf „Arbeitsebene“ geführt worden, sagte Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider. Über Ergebnisse sei absolutes Stillschweigen vereinbart worden.

In Fabulierlaune zeigte sich dagegen Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Die Zustände am überlasteten und in die Jahre gekommenen Flughafen Tegel seien schlimm, so Mehdorn. „Wir werden mit dem BER einen schönen und funktionalen Airport bekommen“, sagte er. „ Bis dahin sehen wir aus wie Lumpi unterm Sofa.“

Mehdorn befürchtet, dass die vom Aufsichtsrat bewilligte Finanzspritze in Höhe von 20 Millionen Euro für die Sanierung des Airports nicht ausreichen könnte. Wenn man Tegel länger brauche, werde es eng, sagte er. Mehdorn hatte eine kontroverse Debatte um eine längere Öffnung von Tegel angestoßen.

(Von Torsten Gellner)
MAZ
16.4.2013
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