28.02.2013: MAZ

Landtag stimmt für mehr Nachtruhe am BER / Verwirrung um Chefberater Bender

Vor einem strikten Nachtflugverbot am künftigen Flughafen hat der Geschäftsführer der Berliner Flughafengesellschaft, Horst Amann, gewarnt. Der Flughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) sei aus Gründen der Wirtschaftlichkeit dringend darauf angewiesen, in den Randzeiten zwischen 22 Uhr und Mitternacht sowie zwischen fünf und sechs Uhr am Morgen operieren zu können, sagte der Technik-Chef gestern in Berlin auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller. Er ging damit auf Distanz zu Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der auch Flughafen-Aufsichtsratschef ist. Diese Randzeiten seien „exorbitant wichtig, sie sind für einen global operierenden Flughafen ein Muss“, sagte Amann.

Dagegen will Brandenburg Nachtflüge am künftigen Airport verhindern. Der Landtag nahm gestern mit großer Mehrheit ein Volksbegehren an, wonach die Landesregierung mit Berlin über ein umfassendes Nachtflugverbot verhandeln muss. Bislang ist für den Flughafen lediglich ein Nachtflugverbot von Mitternacht bis fünf vorgesehen. Die Initiatoren verlangen eine Nachtruhe von 22 Uhr bis sechs Uhr. Berlin lehnt das ab.

Platzecks, der vor einer Woche eine Kehrtwende vollzog und sich für eine Annahme des Volksbegehrens einsetzte, sagte gestern, er werde den Verhandlungsauftrag des Parlaments annehmen und für einen sinnvollen Kompromiss kämpfen. Aus Sicht der oppositionellen CDU wollte Rot-Rot lediglich einen Volksentscheid und damit einen Machtverlust verhindern. „Der Ministerpräsident ist nicht der Treiber Brandenburger Interessen, er ist von Angst getrieben“, sagte Fraktionschef Dieter Dombrowski.

Für Verwirrung sorgte gestern der ehemalige Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender. Er sollte seinen ersten Arbeitstag als Berater der BER-Geschäftsführung antreten. Doch eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz wurde ebenso kurzfristig wieder abgesagt. Zur Begründung hieß es lediglich, es gebe „terminliche Schwierigkeiten“. Benders Verpflichtung war vor zwei Wochen nach der Aufsichtsratssitzung verkündet worden. Aber der 68-Jährige hat seinen Vertrag immer noch nicht unterschrieben. Nach MAZ-Informationen war der Frankfurter gestern noch zu Gesprächen mit Bundesverkehrsstaatssekretär Rainer Bomba in Berlin. „Ich gehe davon aus, dass sich am Wort von Herrn Bender nichts ändert“, sagte Brandenburgs Regierungssprecher Thomas Braune. Platzeck hatte Bender eigentlich als Nachfolger für den geschassten Flughafenchef Rainer Schwarz gewinnen wollen. Nach einer Bedenkzeit hatte Bender jedoch abgesagt.

(gel/igo)
MAZ
28.2.2013
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