31.01.2014: Pressemitteilung

Pressemitteilung

Berlin,
31. Januar 2014


Ärzte der Charité fordern ein konsequentes Nachtflugverbot -

Gesundheitsschäden durch nächtlichen Fluglärm


Neueste Studien zur Pathogenese, d.h. zum Entstehungsmechanismus von Schwerhörigkeit und Tinnitus haben gezeigt, dass auditiv verursachter Stress neben der direkten Schädigung des Innenohres durch Lärm eine wesentliche Rolle spielt.

Nächtlicher Fluglärm führt zu einer Ausschüttung von Stresshormonen wie Kortison. Jede Weckreaktion aktiviert Hirnanteile, die eng mit der Hörbahn verbunden sind, wie das limbische System, das die Gefühle reguliert. Auditiver Stress führt zu einer Verminderung der neuronalen Aktivität im Hippocampus, in "der Schaltstelle der Gefühle", mit Veränderungen an den Synapsen und am Stoffwechsel von Nervenzellen. Die Folgen sind Tinnitus, Hörschäden, Depressionen, Störungen der Konzentrationsfähigkeit, Bluthochdruck mit allen Folgekrankheiten.
Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse hat die enge Verbindung von Psyche und Tinnitus gezeigt.

In Deutschland leiden ca. 11 Millionen Menschen unter Tinnitus mit all seinen Folgen. Nächtlicher Fluglärm, verursacht durch einen Großflughafen, ist ein gefährlicher Risikofaktor für die Gesundheit von Hunderttausenden in Berlin und Brandenburg.

Die Bevölkerung von Brandenburg und Berlin hat mit einem erfolgreichen Volksbegehren und einer erfolgreichen Volksinitiative ein konsequentes Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr von der Politik gefordert.

Gemäß einem Ausspruch von Rudolf Virchow, der 1858 in der Charité mit der Zellularpathologie das Zeitalter der modernen Medizin begründete: Medizin ist eine soziale Wissenschaft und Politik ist Medizin im Großen, fordern wir das Abgeordnetenhaus und den Senat von Berlin auf, die Bevölkerung vor den Gesundheitsschäden von nächtlichem Fluglärm zu schützen, so wie es der 115. Deutsche Ärztetag fordert. Ein konsequentes Nachtflugverbot an allen Berliner Flughäfen ist eine ethische, medizinische und gesellschaftliche Forderung und für den inmitten einer dichten Besiedlung, direkt an der Stadtgrenze errichteten BER, eine conditio sine qua non!


Prof. Dr. med. H. Behrbohm
Chefarzt der Abteilung f. HNO-Heilkunde
an der Park-Klinik Weißensee
(Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité)

Prof. Dr. med. B. Mazurek
Direktorin des Tinnituszentrums
der Charité Berlin